Erbe und Vision Rasender Stillstand

Erbe und Vision

Das Projekt "Erbe & Vision" will Impulse setzen, auf Erfahrungsräume zurückgreifen und Zukunft neu denken. Dabei werden aktuelle und für die Stadt Feldkirch relevante Themen aufgegriffen und in verschiedensten Formaten zur Diskussion gestellt. Das Palais Liechtenstein dient als Denk-Ort für das jeweilige Jahresthema, das sich gesellschaftlichen und kulturellen Herausforderungen widmet. "Erbe & Vision" möchte alle Personen der Region ansprechen, die sich am Nachdenken über drängende Fragen beteiligen, die sich selbst und die Welt von morgen gestalten wollen. Neben der Suche nach konkreten Lösungsansätzen gilt es, Bewusstsein zu schaffen, Denkräume zu öffnen und auch Geschichten in vielfältiger Form zu erzählen.

Rasender Stillstand

Das Rad der Zeit scheint sich immer schneller zu drehen. Die wenigen Generationen der letzten hundert Jahre haben weit mehr an Veränderungen erlebt als alle Generationen der Weltgeschichte vorher. Kommunikation und Medien, Produktion und Transport, Wertvorstellungen, Modeerscheinungen oder Lebensgewohnheiten, alles unterliegt einer zunehmenden Beschleunigung.

Das Individuum trägt oft die Konsequenzen. Die Hyperaktivität der Gegenwartskultur, die Leistungs- und Selbstausbeutungsbereitschaft, aber auch die permanent lärmenden Ablenkungen und Zerstreuungen führen zu Erschöpfung und Depression. Thomas Fuchs spricht von Chronopathologie, die Schnelligkeit des Lebenstempos kann uns krank machen.

Jahresthema 2024

Erbe & Vision widmet sich 2024 diesem drängenden Thema. Dabei soll auf die verschiedensten Aspekte aus den verschiedensten Perspektiven hingewiesen werden. Wie unterläuft das moderne lineare Zeitverständnis das zyklische Zeitgefühl des Menschen? In welchen Bereichen spielt Zeit eine große Rolle? Und welche Möglichkeiten gibt es, dieser Dynamik entgegenzuwirken, Bewusstsein und Abstand zu gewinnen, Oasen der Entschleunigung zu entwickeln? Arbeitszeit, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, öffentliche Verkehrsmittel oder Naherholungszonen sind Beispiele, die manchmal durch kleine Korrekturen optimiert werden können

Der Titel des Jahresthemas stammt von dem gleichnamigen Buch des französischen Philosophen Paul Virilio (1932-2018). Erbe & Vision fasst das Thema aber sehr weit und assoziiert unterschiedliche Problemstellungen. Raserei äußert sich als Lärm. Lärm, den wir nicht nur hören, sondern der uns auch in Atem hält, als Ablenkung, Zerstreuung, als ephemere und leere Informationen, als Trubel der Zeit. Dies führt zu Stillstand. Entwicklungen kommen an ihr Ende. Die zunehmende Beschleunigung lässt uns oft geradezu paralysiert zurück. Dann überfällt uns das paradoxe Gefühl einer unbeweglichen Ohnmacht. Die hetzende soziale Veränderung führt zu Erwartungsunsicherheit, die Steigerung der Zahl von Handlungs- und Erlebniseinheiten lässt das Lebenstempo rasen. Doch zuletzt erkennen wir, dass Fülle nicht zur Erfüllung führt.

Programm

Das Projekt "Erbe & Vision" thematisiert all diese Fragen in verschiedensten Formaten. So wird etwa bei den Palais Gesprächen der Heidelberger Psychiater und Philosoph Thomas Fuchs über "Rhythmus oder Beschleunigung" sprechen und die Schriftstellerin Lisz Hirn sich mit dem überschätzten Menschen beschäftigen. Der Philosophische Salon konzentriert sich auf individuelle Techniken der Entschleunigung, auf Schweigen, Warten, Hören und Sehen. Zwei Symposien befassen sich mit "Zeit und Natur" und "Zeit und Organisation". Und das neue Format "Krimi Salon" lädt bei Tee und Kuchen zu Vorträgen und angeregtem Austausch rund um den Krimi.

Zudem gibt es im Palais Liechtenstein eine Ausstellung unter dem Titel "Ästhetik der Existenz … das Leben, ein Kunstwerk".

Veranstaltungen

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