Pforte um 8 - Konzert 3 - Von Mysterien und Musketieren

Adresse:Pförtnerhaus
Datum und Uhrzeit:
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Heinrich Ignaz Franz Biber (1644–1704):

Pastorella

Sonata representativa

Allegro – Nachtigal – Cucu – Fresch – die Henn – der Hahn – die Wachtel – die Katz – Musquetir mars – Allemande

Kreuzigung aus: Suite in g-Moll 

(anonyme Handschrift für Violine solo in scordatura, ca. 1685)

Battalia 

Das liederliche Schwirmen der Musquetirer – Mars – die Schlacht, und Lamento – der verwundten, mit Arien – imitirt und Baccho dedicirt.

Passacaglia

Nachtwächter Ciaconna aus der Serenada à 5

 

Georg Muffat (1653–1704):

Passacaglia in g-Moll aus «Apparatus Musico-Organisticus»

 

 

 

Veronika Skuplik Barockvioline

Andreas Arend Chitarrone

Marcin Swiatkiewicz Cembalo & Orgel

Klaus Christa Barockviola

& Studierende des Vlbg. Landeskonservatoriums

Die wundersame Welt des H. I. F. Biber

Die Kompositionen von Heinrich Ignaz Franz Biber aus Kremsier und Salbzurg beleuchten an diesem Abend in besondere Weise seine volkstümliche und programmatische Musik. Biber, der mit großer Wahrscheinlichkeit in einem Jesuiten-Gymnasium seine musikalische Ausbildung erhielt, verwendet damals bekannte Melodien und für seine Sonata Representativa wortwörtlich die Aufzeichnungen des Jesuitenpaters und Gelehrten Athanasius Kircher.

In der Pastorella und Battalia hören wir Volkslieder, unter anderem die Bergamasca. Dieser norditalienische Gassenhauer war in Deutschland unter dem Titel "Kraut und Rüben haben mich vertrieben" bekannt. Wir kennen das Lied als Thema in den Goldberg-Variationen von Johann Sebastian Bach.

<<Nambli wohl kann ich ietz glauben>> liegt sowohl der Pastorella als auch einer Stimme im Quodlibet der Battalia zugrunde. Die Aufführung dieses Werkes wird vom Komponisten besonders sorgfältig beschrieben.

Das Autograph trägt den Titel: <Battalia> / Das liederliche Schwirmen der Musquetirer / Mars / die Schlacht, und Lamento / der verwundten, mit Arien / imitirt. und Baccho dedicirt / Von H. Biber, Ao 1673. / à 10 / 3. Violin / 4 Viol. / 2 Violon / 1 Cembalo.>>

sowie die Vermerke:

<< NB: Die Schlacht muss nit mit dem bogen gestrichen werden, sondern mit der rechten Handt die Saite geschnelt wie die stuck. Undt starck!>>

im dissonanten 2. Satz: <<hic dissonant ubique, nam ebrii sic diversis cantilenis clamare solent>> also: <<hier ist es überall dissonant, denn die Betrunkenen pflegen so verschiedene alte Lieder zu brüllen.>>

Seine Mysteriensonaten sind dem Fürsterzbischof Max Gandolph Graf Khuenburg von Salzburg gewidmet. Dieser war ein glühender Verehrer der Rosenkranzandachten und ein Gründer der Rosenkranzbruderschaft.

Die Sonaten fassen die Virtuosität der norditalienischen und süddeutschen Violintechnik der Zeit zusammen. Drei- und Vierstimmigkeit, Lagenspiel und die Skordatur (die Umstimmung der Violine, die normalerweise in Quinten gestimmt ist) sind extreme Erfordernisse. Eine Meisterschaft, die der Geigenkomponist Biber beherrschte und mit der er sich die Stelle als Hofkapellmeister in Salzburg erkämpfte und für die er die Flucht aus der heimatlichen Residenz Kremsier riskierte.

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