Feldkirchs Wirtschaft dazumal
Hier kreuzten sich die Fernstraßen von Süddeutschland nach Oberitalien und von Tirol in die Schweiz. Jeder auf dieser Transitroute durch die Stadt kommende Händler hatte seine Waren über Nacht in einem Lagerhaus, der Dogana, gegen Gebühr unterzustellen. Auch vom Salzhandel profitierte die Stadt. Das aus Hall in Tirol stammende und für den Schweizer Markt bestimmte Salz wurde im Feldkircher Salzstadel zwischengelagert.
Neben dem Fernhandel war Feldkirch für das ganze Umland immer schon wichtiger Handelsplatz und klassische Einkaufsstadt. Händler boten unter den Lauben Waren aller Art an. Feldkirch besaß auch im Mittelalter als erste Stadt der Region einen Wochen- und vier Jahrmärkte. Diese Märkte wurden von Einheimischen, Kunden und Anbietern aus dem Oberland und der Schweiz stark besucht. Wie wichtig und weit ausstrahlend die wirtschaftliche Bedeutung Feldkirchs im Mittelalter war, ist an der Gültigkeit des Feldkircher Maß– und Gewichtssystems und einer eigenen Feldkircher Währung in der ganzen Region des oberen Rheintales, links und rechts des Rheins zu sehen.
Das Wirtschaftsleben wurde aber auch stark von den Handwerkern und den Handwerkszünften bestimmt. Es gab eine Bäcker & Müller-, eine Metzger-, eine Bauhandwerker- und Schreinerzunft, sowie die Großhammerzunft. Diese bestimmten in Zusammenarbeit mit dem Stadtrat die Wirtschaftspolitik und waren auch für das gesellschaftliche Leben der Stadt von Bedeutung. Im heutigen Zunftlokal der Großhammerzunft im Wasserturm erinnern die aus Metall gearbeiteten Zunftzeichen an diese Blütezeit des Handwerks.
Das 19. Jahrhundert brachte mit der Industrialisierung einen Modernisierungsschub in das Wirtschaftsleben Feldkirchs, einen starken Zuzug von Arbeitern und veränderte auch das Stadtbild. Fabrikanten, wie Christian Getzner und Carl Ganahl waren mit ihren modernen Textilfabriken die bedeutendsten Industriepioniere Vorarlbergs im 19. Jahrhundert. Die modernste Spinnerei Österreichs errichtete die Firma F.M. Hämmerle 1894 im Feldkircher Ortsteil Gisingen.
Die Eröffnung der Arlbergbahn 1884 brachte der Industrie schnellere Verbindungen zu den großen Absatzmärkten im Osten der k.k. Monarchie.
Das ausgehende 20. Jahrhundert hatte mit seinen wirtschaftlichen Veränderungen auch Einfluß auf die Stadt Feldkirch. Einerseits brachte es das Ende des Traditionsbetriebes Ganahl, andererseits kam es zu zahlreichen Betriebsneugründungen im eigens dafür gewidmeten Industriegebiet Runa. Es sind dies durchwegs Betriebe mit innovativen Ideen und Produkten. Feldkirch wird seinem Image als Einkaufsstadt durch die belebte Innenstadt mit einer großen Auswahl von Fachgeschäften und die am Stadtrand angesiedelten Großmärkte gerecht.
