"Unser Markt" Gretl Kuster
Gretl Kuster ist bereits seit 1950 auf „Unser Markt“. Ab der Volksschule durfte sie ihre Mutter begleiten. „Ihr“ Stand war immer beim Brunnen. Auf die Frage, wie es ihr auf dem Markt damals gefallen hat, erzählt Gretl Kuster begeistert von einer schönen Frau mit schwarzen Haaren, die auf dem Markt Samen verkauft hat. Was es genau war, das sie so fasziniert hat, kann Gretl Kuster heute gar nicht mehr sagen. „Ich musste sie einfach immer nur an schauen“.
Gretl Kuster wuchs mit ihren zwei älteren Brüdern Karl und Alois in Gisingen auf. Ihr Vater war Schmied, ihre Mutter Hausfrau. Wie viele Familien in ländlicher Umgebung waren sie Selbstversorger. „Wir hatten immer drei bis vier Kühe, Schweine, Hühner und alles was im Garten wächst“ berichtet Gretl Kuster. Sie und ihr Bruder Alois sind im Elternhaus geblieben. Sie hat sich um das Haus und den Garten gekümmert und Alois Kuster hat bei der Bahn gearbeitet. In seiner Freizeit hat er im Garten mit geholfen.
Irgendwie hat man das Gefühl eine Zeitreise zu machen wenn man in das „Kleinod“ von Gretl Kuster „eintaucht“. Ein Ort der Beschaulichkeit, eher zufällig wirkt alles wie aus einer Ausgabe von „Schöner Wohnen“ im Landhausstil.
Dazu gehören eine gemütliche Küche mit Holzofen, eine Küchenkredenz, die alle Flohmarktfans immer vergeblich suchen, ein blau karierter und zudem noch rot bestickter Polster auf einer zum Ausruhen einladenden alten, gemütlichen Bank.
Ein Garten, in dem sich Salatköpfe mit Vergissmeinnicht und vielen anderen heimischen Blumen und Gemüsen das Beet teilen. Für Außenstehende ist keine gewollte Ordnung zu entdecken, man könnte fast meinen, Gretl Kuster pflanze in ihrem kleinen Bauerngarten die Setzlinge nach ästhetischen Gesichtspunkten. Ob in dem liebevoll angelegten Garten eine geheime Ordnung herrscht, bleibt dem Auge des unwissenden Betrachters verborgen.
Tiere hat Gretl Kuster keine mehr. Ansonsten ist das Prinzip das gleiche wie vor fünfzig Jahren. Sie setzt, hegt und pflegt ihre Pflanzen, erntet, behält einen kleinen Teil für sich und der Rest wird in der Marktgasse verkauft.
Gretl Kuster versorgt ihre Stammkunden auf „Unser Markt“ mit allem – wie Gretl Kuster sagt – was der Garten von den ersten Palmkätzchen bis zu den Barbarazweigen hergibt.
Im Gegensatz zu den meisten Marktkaufleuten ist Gretl Kuster keine Frühaufsteherin. Sie genießt ihre selbstbestimmte Arbeitszeit und geht es jetzt „im Alter“ überhaupt etwas ruhiger an. Den Mann fürs Leben hat Gretl Kuster nie gefunden - oder um genau zu sein gefunden hätte sie ihn schon aber – Zitat Gretl Kuster: “Den, den i wella hon, hon i net krieagt und an andere han i net wella“. Erstaunlich konsequent, genau so konsequent zieht sie so manch anderes durch. Zum Beispiel fährt sie immer noch mit ihrem alten Moped mit Anhänger auf den Markt. Macht zwar gelegentlich Tagesausflüge in der näheren Umgebung, würde aber niemals in ein Flugzeug einsteigen.
Gretl Kuster hat zwei große Leidenschaften, einerseits den Markt und die damit verbunden Arbeit und andererseits als Ausgleich, jasst sie mit großer Begeisterung bis spät in die Nacht.
