„Unser Markt“ Hans Peherstorfer
Es hat sich viel verändert in Feldkirch seit den 30er Jahren, eines ist aber gleich geblieben - der Stand der Familie Peherstorfer. Seit drei Generationen werden vor den Häusern Marktgasse 24 und 26 Obst, Gemüse und Südfrüchte verkauft. Begonnen hat alles, als Hans Peherstorfers Großmutter, Olga Peherstorfer, beschloss, ihr im Hausgarten gezüchtetes Gemüse und Obst am Wochenmarkt in Feldkirch zu verkaufen. Olga Peherstorfer fuhr das frische Obst und Gemüse mit dem Fahrrad und dazugehörigem Anhänger auf den damals noch dreimal in der Woche stattfindenden Markt. Später wurde das Sortiment durch Käse, Speck und Butter erweitert.
Der kleine Betrieb florierte. Olga Peherstorfers Sohn, Hans Peherstorfer senior, besuchte in Innsbruck die HTL, die er aufgrund des Krieges abbrechen musste. Als er 1946 aus der Gefangenschaft entlassen wurde, begann er den Grundstein für das heutige Unternehmen zu legen und baute den Handel mit Südfrüchten aus. Bananen und Tomaten, heute das ganze Jahr eine Selbstverständlichkeit, waren damals kaum erhältlich. Das Sprachentalent seiner Mutter Olga ermöglichte es, mit einem heiteren „bonjour" den Damen der französischen Besatzungssoldaten die Waren zu verkaufen.
Nun ist mit Hans Peherstorfer junior die dritte Generation „am Ruder", aber die vierte Generation wurde von den Feldkirchern auch schon auf „Unser Markt“ gesichtet.
So manch Einer mag sich fragen, ob bei so viel Familie nicht irgendwann „die Fetzen fliegen". Ruhig und gelassen, wie es der Art von Hans Peherstorfer entspricht, beantwortet er diese Frage mit: „die Richtung hat immer gestimmt, außerdem wird bei uns akzeptiert, dass es einen Chef gibt, der entscheidet. Bis jetzt hat das immer gut funktioniert." Der Erfolg der Firma Peherstorfer beruht aber nicht nur auf der guten Zusammenarbeit innerhalb der Familie, sondern hat sich auch deshalb eingestellt, weil immer darauf geachtet wurde, beste Qualität an zu bieten. Schon lange bevor die EU Importe nach Österreich erleichtert hat, ist Armin Peherstorfer persönlich einmal in der Woche mit dem LKW nach Italien gefahren, um am Großmarkt die beste und frischeste Ware einzukaufen. Keine einzige Kiste kommt bei der Firma Peherstorfer auf die Ladefläche, ohne zuvor kritisch geprüft worden zu sein.
Wenn Obst oder Gemüse im Ländle die hohen Qualitätsansprüche der Firma Peherstorfer erfüllt, so wird dieser Ware stets der Vorzug gegeben. „Die Ware ist dann einfach noch frischer, da die langen Transportwege wegfallen", meint Hans Peherstorfer jr. Eine für die Familie Peherstorfer wichtige Entscheidung war auch der Ausbau des Geschäftes in Altenstadt. Dieser fiel eher zufällig mit der Verkehrsberuhigung in der Marktgasse in Feldkirch zusammen.
„Es ist einfach niemandem zuzumuten, einen 10 kg Kartoffelsack durch die Stadt zu tragen", meint Hans Peherstorfer.
Die Feldkircher Bevölkerung und die Kunden auf „Unser Markt" haben sich daran gewöhnt, dass nun Hans Peherstorfer jr. das Geschäft in der Marktgasse betreibt. Aber dadurch, dass er jahrein, jahraus anwesend ist, kann kaum jemand mit Sicherheit sagen, wie lange er schon in Feldkirch verkauft.
Hans Peherstorfer jr. hat die HTL für Maschinenbau absolviert und wollte vorerst nur im elterlichen Betrieb einspringen, weil sein Vater krankheitsbedingt nichts heben und keine „staubigen" Arbeiten erledigen konnte. Er übernahm den Anbau und die Jungpflanzenzüchtung. Bereits nach kurzer Zeit konnte er sich nicht mehr vorstellen, acht Stunden in irgendeinem Büro zu sitzen und übernahm den Betrieb, nachdem sein Vater aus dem Betrieb ausgeschieden war. Seit 20 Jahren kümmert sich Hans Peherstorfer um den Verkauf. Er genießt es, sein eigener Chef zu sein, die Arbeiten sind vielfältig und abwechslungsreich, dafür trägt er gerne das Risiko der „Selbständigkeit“. Zu seinen fünf „Angestellten“ hat er ein mehr als freundschaftliches Verhältnis – das spüren auch die Kunden auf „Unser Markt“.
Für Hobbies bleibt kaum Zeit. Eine der Lieblingsbeschäftigungen von Hans Peherstorfer waren Spaziergänge im Feldkircher Wildpark mit seiner Frau Cornelia und seinen beiden Söhnen, solange sie noch „klein“ waren. Heute gehen die Söhne Tobias und David lieber mit ihren Freundinnen spazieren. David, der ältere der beiden Söhne, studiert Informatik in Wien und - wie könnte es anders sein - Tobias besucht die HTL für Maschinenbau wie bereits sein Vater und Großvater. Am Samstag hilft Tobias gerne am Stand aus.
Wenn man Hans Peherstorfer heute nach „Freizeitbeschäftigung“ fragt, antwortet er schmunzelnd „Wandern, Radfahren und Bier trinken“. Eine weitere „Freizeitbeschäftigung“ steht in direktem Zusammenhang mit seinem Beruf - der Besuch von Fachmessen in ganz Europa.
Das Wort „Urlaub" war bei der Familie Peherstorfer immer eher ein Fremdwort. Mutter und Vater Peherstorfer waren nie auf Urlaub, Onkel Armin Peherstorfer maximal alle 5 Jahre einmal und Hans Peherstorfer gönnt sich zehn Tage im Jahr. Diese zehn Tage verbringt er am liebsten mit seiner Frau Cornelia. „Acht Stunden in der Sonne liegen ist nicht meine Sache, da fahre ich lieber einmal nach Südtirol“ meint Hans Peherstorfer. Besonders beeindruckt war er von einer Irland Rundreise.
