Feldkirch 800: Umbau Palais Liechtenstein startet im Sommer

Das Palais Liechtenstein in Feldkirch blickt auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurück. Der Standort – direkt in der Innenstadt von Feldkirch – zeugt von der bedeutenden Rolle, die das Gebäude in der Geschichte der Stadt spielt. Im Rahmen der 800-Jahr-Feierlichkeiten wird das Palais mit einer Jubiläumsausstellung wieder ins Zentrum gerückt.

Das Palais Liechtenstein befindet sich an einem sehr prägnanten Standort von Feldkirch – dem wichtigsten Zugang zur Altstadt. Am Ende des 17. Jahrhunderts ließ Fürst Hans Adam von Liechtenstein das Gebäude vom Innsbrucker Baumeister Gallus Apeller als Amtshaus planen und errichten. 1808 ging das Palais in den Besitz des Feldkircher Bürgers Josef Anton Häusle über, bevor es Christian Getzner ersteigerte. Letzterer war übrigens auch der Gründer der Firma Getzner, Mutter & Cie und kann als Industriepionier in Feldkirch bezeichnet werden.
Eine weitere Persönlichkeit, die in den Besitz des Hauses gelangte, war Josef Andreas Ritter von Tschavoll, der von 1873 bis 1879 und von 1883 bis 1884 auch Bürgermeister von Feldkirch war.
1967 erwarb schließlich die Stadt Feldkirch das historische Gebäude. Damals wurden umfangreiche Restaurierungsarbeiten durchgeführt. 1972 konnte das Stadtarchiv dort neue Räumlichkeiten beziehen und 1979 wurde dort die Stadtbibliothek eröffnet. Bürgermeister Mag. Wilfried Berchtold dazu: „Viele Räumlichkeiten dienten bisher als Lager und waren für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Das soll sich nun ändern, indem das geschichtsträchtige Haus vom Erdgeschoss bis zum Dachstuhl erlebbar gemacht wird.“

Palais wird aufgewertet
Sowohl der äußere bauliche Zustand als auch das technische Innenleben entsprechen nicht mehr den Standards eines modernen Kulturbetriebs. Architekt DI Bernhard Marte (Marte.Marte Architekten) sowie Architekt DI Ulf Hiessberger (Gohm Hiessberger Architekten) präsentierten vergangenen Freitag ihre Pläne für die Bestandssicherung sowie umfassende Nutzung des Hauses. 
„Das Ziel der Adaptierung des Objektes ist eine zurückhaltende Instandsetzung mit subtilen Anpassungen des Bestandes“, erklärt Architekt Bernhard Marte. 
Im Erdgeschoss wird der Empfangsbereich mit Garderobe, Kassa, Shop und Café sowie der Bereich der Museumspädagogik entstehen. Die Hauptausstellung findet ihren Auftakt im Erdgeschoss, hier starten abwechslungsreiche Rundgänge durch die historischen Räumlichkeiten im 1. und 2. Obergeschoss. Die Stadtbibliothek wird in das Konzept integriert und bleibt auch während der Ausstellung zugänglich. 
„Für eine repräsentative Außenwirkung sind zwei skulpturale Interventionen geplant, sie sollen auf den bedeutenden Inhalt des Gebäudes aufmerksam machen“, informiert Marte. So wird zum einen der Haupteingang zur Ausstellung durch einen neun Meter langen „Markstein“ angezeigt. Er soll die Besucher, aber auch die Flanierenden, auf die Sonderausstellung aufmerksam machen. 
Zum anderen ragt eine weithin sichtbare, monolithische Scheibe mit neun Metern Seitenlänge aus dem historischen Dachstuhl. Sie ermöglicht den Besuchern einen Einblick in den eindrucksvollen, historisch wertvollen Dachstuhl mit krönendem Abschluss in Form des skulpturalen Dachausstieges. „Er eröffnet den Besuchern einen ganz besonderen Blick über die historische Altstadt – und somit auch in die Geschichte von Feldkirch“, ergänzt Architekt Ulf Hiessberger.

Jubiläumsausstellung 
Der inhaltliche Bogen der Jubiläumsausstellung, die von März bis November 2018 zu sehen sein wird, umspannt die 800-jährige Geschichte der Stadt, wird aber gleichzeitig auch die Gegenwart beleuchten sowie Zukunftsfragen aufwerfen. Thematisch orientiert sich die auf 800 m2 konzipierte Ausstellung an der Bedeutung der „Grenze“ in der Feldkircher Geschichte sowie am Humanismus in der Stadt, der bis heute nachhallt. Die Ausstellung ist auf einen breiten Besucherkreis ausgerichtet, wie Feldkircher Bürger, historisch interessierte der Region, Touristen und vor allem auch Kinder und Jugendliche. 

Zu sehen sein werden unterschiedlichste Exponate aus der Geschichte der Stadt Feldkirch (Auszug): 
• Archäologische Fundstücke
• Urkunden (zum Beispiel der Freiheitsbrief von 1376)
• historische Stadtansichten (Veduten)
• alte Handschriften und Inkunabeln (Drucke bis 1500)

Fertigstellung Anfang 2018
Insgesamt werden in den nächsten Monaten zirka 1,5 Millionen Euro in die Bestandssicherung des Gebäudes investiert. Die Ausräumarbeiten wurden zum größten Teil bereits durchgeführt. Nun laufen die Detailplanungen, bevor in Kürze die Ausschreibungen erfolgen. Der geplante Baubeginn erfolgt im Juni/Juli 2017. Die Fertigstellung ist für Anfang 2018 geplant.

Daten und Fakten
Bauzeitraum: Juni/Juli 2017 bis Anfang 2018
Baukosten: ca. 1,56 Millionen Euro netto (+/-20 Prozent)
Jubiläumsausstellung: März bis November 2018

 

Bilder
Ein Dachausstieg im Palais Liechtenstein eröffnet den Besuchern künftig einen ganz besonderen Blick über die historische Altstadt. Rendering: Marte.Marte Architekten Ein Dachausstieg im Palais Liechtenstein eröffnet den Besuchern künftig einen ganz besonderen Blick über die historische Altstadt. Rendering: Marte.Marte Architekten
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