Das war Georg Joachim Rheticus

Am 16. Februar 1514 wurde Georg Joachim Rheticus in Feldkirch geboren. Er zählt zu den bedeutendsten Wissenschaftlern Vorarlbergs.

Seinen 500sten Geburtstag nimmt Feldkirch zum Anlass, im kommenden Jahr diverse Veranstaltungen durchzuführen und damit an sein Leben und Wirken zu erinnern.

Die Eltern von Georg Joachim Rhetius, Georg Iserin und Thomasina de Porris, stammten aus Italien, die Mutter gar aus wohlhabendem lombardischem Adel. Der Vater wirkte als Stadtarzt und erhielt im Geburtsjahr des Georg Joachim das Feldkircher Bürgerrecht. Er wird als gelehrter Mann und großer Bücherfreund bezeichnet und wies seinen Sohn, wie dieser später berichtete, früh in die Wissenschaften ein. Georg Joachim besuchte aber auch die im ganzen Bistum hoch angesehene Feldkircher Lateinschule. Noch nicht 14 Jahre alt, musste er ein prägendes Erlebnis verarbeiten: Sein Vater Georg Iserin wurde am 6. Februar 1528 als Dieb und Betrüger mit dem Schwert hingerichtet. Zu diesem Urteil hatte möglicherweise Iserins wissenschaftlicher Geist beigetragen, da er im Volk als Zauberer und Hexenmeister galt und der Verdacht umging, er stehe mit dem Teufel im Bunde.

Studium und der Name "Rheticus"
Die nächsten drei Jahre besuchte Georg Joachim die Frauenmünsterschule in Zürich. Anschließend nahm er ein Studium in Wittenberg auf, wobei er sich auf die mathematischen Fächer konzentrierte. Nach Abschluss seiner Studien wurde dem erst 25-Jährigen eine Professur für Mathematik und Astronomie übertragen. Er nannte sich fortan „Rheticus“. Dieser Name verwies auf seine nähere Heimat, gleichzeitig aber auch auf die römische Provinz Raetien, und stellte damit, ganz nach Mode der Zeit, einen Bezug zur Antike her.

Verbindung zu Kopernikus
Um 1538 muss Rheticus das erste Mal von Kopernikus’ Thesen gehört haben. Was in der Antike bereits mehrfach vermutet wurde, belegte Nikolaus Kopernikus in einer schlüssigen Argumentation: Die Erde ruht nicht im Zentrum der Welt, sondern dreht sich um die Sonne. Rheticus war von dieser Erkenntnis sofort begeistert, suchte Kopernikus auf und blieb zwei Jahre bei diesem in Frauenburg. Da das Hauptwerk des Kopernikus noch nicht druckreif vorlag, verfasste Rheticus noch während seines Aufenthalts in Frauenburg eine Abhandlung. Die Narratio Prima (= erster Bericht), wie das Werk künftig abgekürzt heißen sollte, gab erstmals in gedruckter Form einen Überblick über das neue Weltsystem des Kopernikus. Erst die positive Aufnahme dieses Buches veranlasste Kopernikus, seine Gedanken der gelehrten Welt mitzuteilen. 1543 sorgte Rheticus dann auch für die Veröffentlichung des epochemachenden Werks De Revolutionibus Orbium Coelestium („Über den Umlauf der Himmelskreise“) seines Lehrers. Heute gilt es als ein Meilenstein der Wissenschaftsgeschichte, das unser Weltbild und damit auch das Selbstverständnis des Menschen grundlegend veränderte. Der Feldkircher Georg Joachim Rheticus hat maßgeblich dazu beigetragen, denn die Astronomiehistoriker betonen immer wieder, ohne Rheticus hätte es keinen Kopernikus gegeben.

 

Interessieren Sie sich für Georg Joachim Rheticus?
In der ersten Hälfte 2014 erscheint ein umfangreiches Werk über sein Leben und Wirken von Philipp Schöbi und Helmut Sonderegger.

 

 

Bilder
1551 veröffentlichte Rheticus den "Canon doctrinae triangulorum". Dieses Werk mit trigonometrischen Tafeln wird vielfach als sein bedeutendster Beitrag zur Wissenschaft angesehen. 1551 veröffentlichte Rheticus den "Canon doctrinae triangulorum". Dieses Werk mit trigonometrischen Tafeln wird vielfach als sein bedeutendster Beitrag zur Wissenschaft angesehen.
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